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01/10/2006 15.48.58



D: EKD und Evangelikale rücken zusammen






Die EKD und die Deutsche Evangelische Allianz sollten ihre Zusammenarbeit vertiefen. Dafür hat sich der Präsident des EKD-Kirchenamts, Hermann Barth, gestern beim Allianztag im thüringischen Bad Blankenburg ausgesprochen. Die evangelikale Bewegung könne den Landeskirchen bei der geistlichen Profilierung helfen. So bilde bei Mitgliederumfragen zur Frage, was unbedingt zum Evangelischsein gehöre, das Lesen in der Bibel regelmäßig das Schlusslicht. Dem wollten Evangelikale entgegenwirken. Außerdem seien Protestanten häufig mit ihrem „Blick aufs Diesseits fixiert“ und verdrängten das „Leben der kommenden Welt“. Auch dagegen wendeten sich Evangelikale. Darüber hinaus helfe die evangelikale Bewegung durch ihr missionarisches Engagement der Kirche, ihrem Auftrag treu zu bleiben, Menschen für den Glauben an Jesus Christus zu gewinnen.
Barth lobte an der evangelikalen Bewegung, dass sie etwa im Medienbereich gelegentlich Vorreiter gewesen sei. Als Beispiele nannte er den Evangeliums-Rundfunk, Bibel TV und die Nachrichtenagentur idea. Solche Aktivitäten seien ein Ansporn für die Kirche. Die Evangelikalen seien weniger strukturkonservativ als die Kirchen. Sie hätten auch zum Konzept so genannter Profilgemeinden beigetragen, die laut dem EKD-Impulspapiers über die Zukunft der evangelischen Kirche künftig eine größere Rolle spielen sollen. Profilgemeinden binden ihre Mitglieder nicht aufgrund des Wohnorts, sondern aufgrund inhaltlicher Schwerpunkte, zum Beispiel Evangelisation oder Kirchenmusik.
Barth war von der Allianz allerdings auch gebeten worden, seine Anfragen an die evangelikale Bewegung zu formulieren. Seiner Ansicht nach geht es in evangelikalen Kreisen manchmal sehr eng zu im Verständnis des Glaubens, in der Auslegung der Bibel und in den Regeln der Lebensführung. „Habt keine Berührungsängste!“ rief der Kirchenamtspräsident den 140 Zuhörern zu. Außerdem habe die evangelikale Bewegung ein gebrochenes Verhältnis zum Pluralismus. Dass sich Teile der Evangelikalen dafür aussprechen, den biblischen Schöpfungsbericht wortwörtlich zu verstehen und an eine Sechs-Tage-Schöpfung zu glauben, ist nach Ansicht Barths ein „Verrennen in falsche Alternativen zwischen Bibel und Naturwissenschaft“. Auch das in den USA entwickelte Konzept des „Intelligenten Designs“, das als Erklärungsmodell für die Entstehung des Lebens und die Vielfalt der Arten das Wirken einer Schöpferkraft annimmt, hält Barth für untauglich. Er nannte es einen grundlegenden Denkfehler, die biblischen Schöpfungsberichte als Weltentstehungsmodelle zu lesen. Die Deutsche Evangelische Allianz repräsentiert rund 1,3 Millionen Evangelikale in Landes- und Freikirchen.
Scharfe Kritik an der evangelikalen Bewegung und der Zusammenarbeit „ehrgeiziger Kirchenleute“ mit ihr hat derweil der Weltanschauungsbeauftragte der pfälzischen Kirche, Pfarrer Richard Ziegert aus Ludwigshafen, geübt. „Viele Funktionsträger im Raum der Kirche“ unterstützten „ohne nachzudenken“ die „Amerikanisierung unserer kirchlichen Verhältnisse“, schreibt der Theologe im Pfälzischen Pfarrerblatt.
(idea 01.10.06 sk)


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